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Die Habichtswald-Klinik ist erneut Gastgeberin des Klinikvertretertreffens der Deutschen Tinnitus-Liga e.V. gewesen. Die Veranstaltung bietet eine Plattform für den Austausch von Fachleuten, um neueste Entwicklungen im Bereich Tinnitus und Hörstörungen zu diskutieren.
Veröffentlicht am 02. April 2026

Tinnitus-Liga richtet Treffen für Mitarbeitende von Kliniken in der Habichtswald-Klinik in Kassel aus
Am 21. März 2026 fand in der Habichtswald-Klinik in Kassel wieder eine Tagung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter statt, die stationär oder auch ambulant mit Tinnitus-Betroffenen arbeiten. Die Veranstaltung richtete sich auch an Ärztinnen und Therapeuten, die noch nicht so lange in der Tinnitus-Behandlung tätig sind. Rund 50 Teilnehmende aus ganz Deutschland waren zu der Veranstaltung gekommen, die von der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL) in Zusammenarbeit mit Dr. med. Helmut Schaaf, Leitender Oberarzt der Tinnitus-Klinik Dr. Hesse in Bad Arolsen, ausgerichtet wurde.
Im Mittelpunkt der nicht öffentlichen Veranstaltung standen die aktuellen Entwicklungen in der Tinnitus-Forschung und -Therapie, praxisnahe Ansätze sowie der Austausch zwischen erfahrenen Fachleuten und neuen Kollegen.
Neben Vorträgen zu neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gab es Workshops, in denen unter anderem das Tinnitus-Counseling, die Hypnotherapie sowie Aspekte der ambulanten Psychotherapie thematisiert und praktisch vertieft wurden. Ziel war es, die Behandler mit fundiertem Wissen und erprobten Methoden für ihre tägliche Arbeit zu unterstützen.
Die Veranstaltung wurde von der Hessischen Landesärztekammer in der Kategorie A mit 7 Punkten als Fortbildung anerkannt.
Die Deutsche Tinnitus-Liga dankt den Referentinnen und Referenten für die aufschlussreichen Vorträge, den Teilnehmenden für ihr Interesse an der Veranstaltung sowie der Habichtswald-Klinik für die Bereitstellung der Räumlichkeiten.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Klinikvertretertreffens vor der Habichtswald-Klinik in Kassel.
Foto: Sabine Wagner, DTL.
Zu Beginn der Tagung begrüßten Bernd Strohschein, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL), und Lukas Mann, Kaufmännischer Leiter der Habichtswald-Klinik, die Teilnehmenden. Strohschein dankte der Habichtswald-Klinik sehr herzlich dafür, dass das Treffen der Klinikvertreterinnen und -vertreter wieder in ihren Räumlichkeiten stattfinden konnte – und das bereits zum 26. Mal.
Den Auftakt der Vortragsreihe bildete Prof. Dr. med. Birgit Mazurek, Direktorin des Tinnituszentrums Charité – Universitätsmedizin Berlin, die über den aktuellen Stand in der Tinnitus-Forschung referierte. Prof. Mazurek ging auf das biopsychosoziale Modell ein, demzufolge Stress entstehe, wenn die Ressourcen eines Menschen nicht in Balance seien. Aus anhaltendem Stress könnten chronische Erkrankungen resultieren, beispielsweise ein belastender Tinnitus. Gemäß aktuellen Forschungen werde Tinnitus als Netzwerkstörung betrachtet: Tinnitus werde als Folge funktioneller und struktureller Veränderungen in einem weitreichenden neuronalen Netzwerk gesehen, das über die reine Hörverarbeitung hinausgehe. Diese Netzwerke seien für Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und die emotionale Bewertung der Ohrgeräusche verantwortlich. Auf die Frage, wohin die Reise in der Zukunft gehe, antwortete Prof. Mazurek, dass diese ganz klar in Richtung personalisierter Medizin führe, die in jedem Fachbereich eine Rolle spiele.
Die Diplom-Ingenieurin und Hörakustikmeisterin Siegrid Meier, M. A. aus Krummesse, die als Beraterin für Audiologie, E-Learning und Gaming in ihrer Firma earlinks tätig ist, gab einen Überblick über die verschiedenen Arten von Hörsystemen wie HdO-Geräte, die hinter dem Ohr, und IdO-Geräte, die im Ohr getragen werden. Sie erläuterte zudem die Eigenschaften moderner Hörsysteme, zu denen der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI), das Rückkopplungsmanagement zur Unterdrückung des typischen Pfeifens oder auch eine KI-gesteuerte Situationsanalyse nach dem Motto „Ist das Sprache oder kann das weg?“ gehörten. Das Fazit der langjährigen Dozentin an der Akademie für Hörakustik (afh) in Lübeck: Moderne Hörsysteme können das Sprachverständnis optimieren, den Hörkomfort verbessern, den Hörstress mindern sowie bei der Tinnitus-Bewältigung unterstützen.
Im Anschluss zeigte der DTL-Vorstandsvorsitzende Bernd Strohschein auf, was die Deutsche Tinnitus-Liga für Kliniken leisten kann, beispielsweise bei der Vermittlung von Selbsthilfegruppen in der Nachsorge im Anschluss an die Klinikbehandlung oder durch Vorstellung der Kliniken im DTL-Klinik-Wegweiser. Außerdem ging er auch auf weitere Angebote der DTL für Tinnitus-Betroffene ein wie das Beratungstelefon („Betroffene für Betroffene“) oder Arzt-, Psychotherapeuten- und Anwalts-Telefonsprechstunden für Mitglieder. Die DTL arbeitet mit rund 60 Selbsthilfegruppen zusammen und bietet zudem Online-Gruppen an. Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. wurde 1986 in Wuppertal gegründet und feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen.
Dr. med. Helmut Schaaf, Leitender Oberarzt der Tinnitus-Klinik Dr. Hesse in Bad Arolsen, referierte über das Thema „Neues zu Morbus Menière“ und stellte den Forschungsstand bezüglich der Erkrankung dar, die mit Schwindel, Tinnitus und Hörminderung einhergeht. Solange es keinen Ansatz zur Heilung des Morbus Menière gebe, sei es wichtig zu vermitteln, welche Möglichkeiten Betroffene haben, um die Auswirkungen der Erkrankung so gut wie möglich abzumildern. Dazu gehörten die Dämpfung des akuten Anfalls durch Zäpfchen oder Tabletten gegen die Übelkeit, immer bessere technische Kompensationshilfen bei den Höreinschränkungen durch moderne Hörsysteme, Gleichgewichtsübungen, die Progressive Muskelentspannung, aber auch die Aktivierung eigener Ressourcen in einer Psychotherapie und/oder Selbsthilfegruppen. Im Anschluss an die Vorträge konnten Fragen an die Referentinnen und Referenten gestellt werden, woraus eine lebhafte Diskussion unter den Fachleuten entstand.
Am Nachmittag standen Workshops auf dem Programm. In Workshop 1 erläuterten Dr. med. Helmut Schaaf und Dr. med. Georgios Kastellis, wie sie in der Tinnitus-Klinik Dr. Hesse in Bad Arolsen das Counselling (Aufklärung und Beratung) der Betroffenen durchführen. Detlef Kranz von der Praxis für Psychotherapie aus Mülheim/Essen stellte in Workshop 2 Hypnotherapieansätze bei Tinnitus dar. In Workshop 3 von Martina Heinze, Psychologische Praxis Saarbrücken, ging es um Tinnitus in der ambulanten Psychotherapiepraxis, sowohl vor als auch nach einem Klinikaufenthalt.
Parallel dazu fand nachmittags die Sitzung des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Tinnitus-Liga statt, in der renommierte Tinnitus-Expertinnen und -Experten über Behandlungsmethoden, den aktuellen Stand der Forschung und Fragen von DTL-Mitgliedern diskutierten.
Seit 1997 behandelt die Habichtswald Reha-Klinik Patienten mit Tinnitus nach einem ganzheitlich-integrativen Konzept. Kernbestandteile der Therapie sind unter anderem die Tinnitus-Retraining-Therapie mit begleitendem Tinnitus-Coaching, Hör- und Musiktherapie sowie wöchentlich wechselnde Vorträge zu Tinnitus und Gesundheit.
Diese spezifischen Therapiebausteine sind eingebettet in ein psychotherapeutisches Gesamtkonzept, das sowohl Einzel- als auch Gruppenpsychotherapie umfasst. Ergänzt wird die Behandlung durch Angebote wie Physiotherapie und balneo-physikalische Anwendungen, die die Genesung unterstützen.
Die über 25-jährige Erfahrung der Habichtswald Reha-Klinik in der Tinnitus-Therapie fließt kontinuierlich in die Weiterentwicklung des Behandlungskonzepts ein. Die Kombination aus hoher Therapiefrequenz und dem professionellen Zusammenspiel eines erfahrenen Teams ermöglicht es den Patienten, ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL) vertritt als gemeinnützige Selbsthilfeorganisation die Interessen der Patientinnen und Patienten mit Tinnitus, Hörsturz, Hyperakusis und Morbus Menière sowie ihrer Angehörigen. Rund 11.000 Mitglieder machen die DTL zum größten Tinnitus-Zusammenschluss in Europa und zur anerkannten Partnerin des Gesundheitswesens in Deutschland. Ca. 500 Fachleute gehören der DTL als fördernde Mitglieder an, darunter renommierte Wissenschaftler, HNO-Ärzte, Ärzte weiterer Disziplinen, Hörakustiker, Psychologen und Therapeuten. Außerdem werden rund 60 Selbsthilfegruppen in Deutschland durch die DTL betreut. Gegründet wurde die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. 1986 in Wuppertal.
Pressekontakt:
Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL)
Sabine Wagner
Tel.: 0202 24652-24
E-Mail: s.wagner@tinnitus-liga.de
Bei organisatorischen oder inhaltlichen Fragen, wenden Sie sich bitte an:
Dr. med. Helmut Schaaf
Leitender Oberarzt Psychotherapie
Tinnitus-Klinik Dr. Hesse, Bad Arolsen
E-Mail: hschaaf@tinnitus-klinik.net
Weitere Infos: www.tinnitus-liga.de | Facebook: Deutsche Tinnitus-Liga e. V. | Instagram: deutsche_tinnitus_liga
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