Das Schilddrüsenkarzinom ist ein maligner Tumor, der von der Schilddrüse ausgeht und das häufigste Krebsleiden des endokrinen Systems darstellt. Obwohl es nur etwa 1 % aller bösartigen Tumoren ausmacht, hat sich die Sterblichkeitsrate dank verbesserter Diagnose- und Therapiemöglichkeiten verringert. Es gibt verschiedene histologische Typen, darunter papilläre, follikuläre, medulläre und anaplastische Karzinome. Die meisten Patienten sind zwischen 35 und 60 Jahre alt, wobei das anaplastische Karzinom im höheren Alter häufiger auftritt. Die Prognose variiert je nach Typ, wobei differenzierte Karzinome eine hohe Überlebensrate aufweisen, während das anaplastische Karzinom aggressiver ist und oft tödlich verläuft.
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Das Schilddrüsenkarzinom ist der häufigste endokrine Tumor. Bei steigender Inzidenz liegt die jährliche Neuerkrankungsrate bei Frauen bei 9/100000, Männer erkranken seltener (4/100000/Jahr).
Anerkannte Risikofaktoren sind ionisierende Strahlen (insbesondere externe Radiotherapie), Alter <20 oder >60 sowie gehäuftes familiäres Auftreten von Schilddrüsenkarzinomen oder familiärer adenomatöser Polyposis.
Symptome, die auf ein Schilddrüsenkarzinom hinweisen können, sind tastbare, derbe Knoten in der Schilddrüse, eine rasch größer werdende Struma („Kropf“) trotz adäquater Behandlung. Bei fortgeschrittener Erkrankung können vergrößerte Lymphknoten in der Halsregion, Heiserkeit durch Schädigung des Stimmbandnerven, welcher unterhalb der Schilddrüse verläuft, Atem- und Schluckbeschwerden und eine Stauung der Halsgefäße sein.
Die Therapie ist oft mehrgleisig: chirurgisch, strahlentherapeutisch, nuklearmedizinisch, gefolgt von einer lebenslang notwendigen Schilddrüsenhormonbehandlung.
Bei papillären Mikrokarzinomen kann eine Entfernung des betroffenen Schilddrüsenlappens möglicherweise ausreichen, sonst werden das gesamte Schilddrüsengewebe sowie regionale Halslymphknoten entfernt. Da differenzierte Schilddrüsenkarzinome Jod aufnehmen, wird nach einer Pause von 4 Wochen radioaktives Jod als Kapsel verabreicht, um noch vorhandenes Schilddrüsengewebe oder Metastasen nachzuweisen und dann hoch dosiert nachgegeben, um es zu zerstrahlen. Diese Strahlen dringen nur wenige Millimeter ins umgebende gesunde Gewebe, deshalb wird die Behandlung gut vertragen –sie wird aber in speziellen nuklearmedizinischen Stationen durchgeführt und der Aufenthalt dort kann bis zu 5 Tagen dauern. In dieser Zeit sind die Patienten abgeschirmt, um andere nicht über die Strahlung zu gefährden. Vor der Radiojoddiagnostik und -therapie erhalten die Patienten gentechnisch hergestelltes TSH als intramuskuläre Spritze. Das Regelhormon der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) sorgt dann dafür, dass verbliebene Schilddrüsenkarzinom Zellen genügend Jod speichern können. Heutzutage können die Patienten schon rasch nach der Schilddrüsenentfernung mit dem dann fehlenden Schilddrüsenhormon versorgt werden (Thyroxin - als Tabletten vor dem Frühstück einzunehmen). Sie rutschen so nicht in eine Schilddrüsen-Unterfunktion hinein.
Anaplastische Schilddrüsenkarzinome speichern kein Jod, deshalb wird hier nach der Operation von außen bestrahlt. C-Zell Karzinome sind nicht strahlensensibel und speichern kein Jod, sodass die operative Entfernung entscheidend ist.
Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) zeigen bessere Ansprechraten bei rasch progredienten und nicht mehr radiojodsensiblen Karzinomen mit klinisch relevanter Tumormasse (Sorafenib und Lenvantinib sind hier zugelassen). Für das progrediente und ausgeprägt symptomatische medulläre Schilddrüsenkarzinom sind Vandetanib und Cabozantinib zugelassen.
Bei Progress kann ein Wechsel des TKI als individueller Heilversuch erwogen werden.
Für weitere zielgerichtete Therapieoptionen wie z. B. Immuntherapien besteht die Möglichkeit zu einer Studienteilnahme an einem Studienzentrum.
Lebenslange Nachsorge, da Rezidive auch noch nach Jahrzehnten auftreten können. Bei jeder Nachsorgeuntersuchung Kontrolle der Schilddrüsenhormon-Einstellung. Ultraschalluntersuchungen und Turmormarkerbestimmung Thyreoglobulin (hTG) im Serum, bei Rezidivverdacht Ganzkörperszintigrafie bei differentiertem Schilddrüsenkarzinom, sowie Tumorrmarkerbestimmung Calcitonin (hCT) und Ultraschall bei dem medullären Schilddrüsenkarzinom.